Eine Gesellschaft, die so viele Doktoren hat, muss wahrlich krank sein!
[Marcus Plaucius Mecca]
"Guten Abend, Herr Doktor !"
Wenn Sie diesen Satz irgendwo hören, muss es nicht unbedingt sein, dass sich ein Mediziner in der Nähe aufhält und man sollte sich mit instinktiv bereits auf der Zunge liegenden Fragen bezüglich der eigenen oder allgemeinen Gesundheit besser zurückhalten.
“Doktor“ ist nämlich nicht nur die umgangssprachliche Bezeichnung für einen Arzt, sondern ein akademischer Titel. Das wissen die meisten natürlich, ich wollte es nur noch einmal herausstellen.
Der akademische Titel „Doktor“, den man mit Erlangung desjenigen stolz vor seinen Namen stellen kann, bezeugt erst einmal die Tatsache, dass der Träger eine Universität besucht und dort studiert hat. (In der Regel. Aber lassen wir einmal die Fälle, in denen ein Titel erschwindelt wurde, außer acht). Nach seinem Studium kann man, sofern für dieses Fach vorgesehen und die Hochschule das ermöglicht, den Doktortitel anstreben.
Die Promotion (Erlangung des Doktor-Titels [d.V.]) ist die Verleihung des akademischen Grades „Doktor“ [...] in einem bestimmten Studienfach und dient dem Nachweis der Befähigung zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit. Sie beruht auf einer selbständigen wissenschaftlichen Arbeit, der Dissertation, und einer mündlichen Prüfung (Rigorosum, Disputation oder Kolloquium). [Quelle: Wikipedia]
Ich weiß nicht, ob „Intelligenz“ eine entscheidende Voraussetzung ist, diese Promotion zu überstehen, jedoch kann man davon ausgehen, dass eine Person mit beschränkter Auffassungsgabe nicht der Lage ist, diese Aufgabe zu bewältigen.
Unterschreiben kann man jedoch, dass es Zeit, Ausdauer und (das so oft damit zusammenhängende Element) Geld erfordert, die 2 – 5 Jahre, die man laut verschiedener Quellen für eine Promotion ansetzen muss.
Es hilft natürlich ungemein, wenn man diese Phase als Sohn / Tochter einer gut betuchten Familie durchschreiten kann und sich dadurch voll auf sein Tun konzentrieren kann.
Jedoch kann man nicht deutlich genug betonen, dass auch Leute die Promotion schaffen, deren Eltern keine 5stelligen Beträge mit nach Hause bringen, oder die sogar sämtlichen finanziellen Aufwand selbst stemmen und dafür beispielsweise unzählige Nächte dafür als Bedienung Bier an die Tische wenig reinlicher Spelunken bringen oder mit dem Taxi durch einsame und zwielichtige Gegenden fahren mussten. Diesen Leuten gehört (zumindest mein) Respekt.
Nun, was macht man mit solch einem Doktor-Titel, außer dass er auf der Visitenkarte und dem Briefpapier zu gefallen mag?
Zum einen ist er hilfreich, um einen beruflichen Weg, genannt „Karriere“ zu beschreiten, der, meist in einem größeren Unternehmen, viel Arbeit und meist auch überdurchschnittliches Einkommen verheißt.
“Der Nachweis der Befähigung zu wissenschaftlichen Arbeit“ bedeutet natürlich nicht, dass der Absolvent auch tatsächlich immer einer wissenschaftlichen Arbeit nachgeht und evt. bahnbrechende Entwicklungen anstößt, die die Zivilisation entscheidend voran bringt. Das kann man für den überwiegenden Teil der „Doktoren“ (pro Jahrgang ca. 25.000, laut Wikipedia) ausschließen, ohne sich argumentativ zu weit aus dem Fenster gelegt zu haben.
Für den überwiegenden Teil bedeutet der Titel wohl ein Karrierebeschleuniger.
Zum anderen genießen „Doktoren“ ein gesellschaftliches Ansehen, wobei vielleicht nur ein Bruchteil derer, die so empfinden, überhaupt genau wissen, was dieser Akademiker (sofern es kein Mediziner ist, bei dem sein Tätigkeitsfeld meist klar ist) überhaupt tut oder auslöst, ob seine Tätigkeit damit zusammen hängt, den Welt-Hunger zu lindern, das Energie-Problem in den Griff zu bekommen oder ähnlich erstrebenswerte Werte zu schaffen. Oder ob er nicht sogar einer der Leute im Hintergrund ist, die vorsichtig oder fahrlässig die Wirtschaft gefährden, Lebensmittel panschen, die Welt mit Kunststoff-Produkten überhäufen, das Leben mit noch mehr Vorschriften weiter verkompliziert und ähnliches, das den Erdball noch weiter an den Rand der Katastrophe steuert.
Wissen wir alles nicht, wollen niemanden vorschnell an den Pranger stellen, jedoch tut man oft gut daran, Personen nicht nach dem Titel zu beurteilen, wenn man sonst nichts großartig über sein Schaffen weiß.
Da lobe ich mir doch zum Beispiel den einfachen Klempner, Tischler oder Automechaniker, der ohne „Dr.“ auf der Visitenkarte zwar einen formal unscheinbaren Eindruck vermittelt, den man aber durch seine zu 100% nützliche und wertvolle Tätigkeit in allen Fällen als einen zu respektierenden Teilnehmer der Gesellschaft bezeichnen kann.
Lustige "Doctor"-Szene dazu aus dem Film "Spies like Us"
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